Links ist die Vorderbremse, oder? Ähm ja, da muss ich auch heute noch manchmal nachfragen. Aber es ist noch nicht allzu lange her, da bin ich nicht einmal am Asphalt bergab gefahren.
Mittlerweile kann ich aber echt behaupten, dass es mir Spaß macht. Es ist so eine verrückte Mischung aus Angst (aber zum Glück keine Panik mehr) und Spaß. Das Wissen, wie cool es sich anfühlt, wenn man sich getraut hat. Das schöne Gefühl, wenn immer ein bisschen mehr geht, als beim letzten Mal.
Ich bin als Kind mit dem Rad ziemlich übel bergab gestürzt. Mein Körper hat sich das gemerkt, und ich bin nirgends mehr bergab gefahren. Mir ist das allerdings gar nicht so bewusst gewesen, da ich ja nur mehr in der Stadt herumgefahren bin, und da ist es ja ziemlich eben, und den Rest kann man ja umfahren.
Aber das liebe Universum hatte einen anderen Plan für mich. Es schickte mir den größten Bike-Freak und der hatte natürlich kein Verständnis für mein fragwürdiges Verhältnis zum Bergabfahren. Man könnte fast sagen Panik. Und ja, es war definitiv Panik, ein richtiges Trauma.
Und dann sind da ja noch die vielen Gedanken in meinem Kopf, was da alles passieren kann. Mit eingegipsten Händen könnte ich ja schwer arbeiten, und, und und.
Schweißgebadet mit grünweißer Gesichtsfarbe und zitternd am ganzen Körper, habe ich die Finger einzeln vom Lenker geklappt, als mein lieber Mario mich einfach die Petzen runtergetrieben hat. Und oh Gott, es folgten unzählige Versuche, und ich habe niemals gedacht, dass ich mich jemals freiwillig irgendwo bergab bewege.
Das Schönste an der Auflösung meines Traumas war, dass sich meine Höhenangst direkt mitverabschiedet hat. Scheinbar gab es da eine Koppelung. Früher ging nicht einmal eine Leiter und heute macht es mir Spaß im Kletterwald.
Es gibt auch heute noch viele Strecken, die ich vermutlicherweise nie bezwingen werde, aber alles muss ja auch nicht sein.
Ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe, und wenn ich nur einem Menschen Mut machen kann, etwas zu versuchen, über die eigene Angst hinauszuwachsen, dann habe ich schon wieder etwas erreicht. Ich weiß, dass ich Menschen inspirieren und motivieren kann und deshalb mache ich es auch sehr gerne.
Besonders freut es mich, wenn ich wo hinunter sehe, und mir denke, nein, da ist die Grenze, das fahre ich niemals. Und nach einer halben Stunde Mentaltraining, schwupp, unten.
Ich staune auch immer wieder selber, dass das möglich ist, aber es funktioniert. Das Problem ist ja nur im Kopf. Es ist für meinen Kopf einfach nicht nachvollziehbar, dass es möglich ist, bei gewissen Stellen zu fahren, aber das Rad kann es. Wenn ich gar nicht mehr weiß, was ich tun soll, lass ich eh einfach nur mehr die Bremsen los, und hoffe, dass es gut geht. Nicht bremsen verursacht weniger Umfälle, im wahrsten Sinne des Wortes, als falsch bremsen.
Mario liebt es im Keller zu sein, und an den Bikes herumzudoktern. Ganz schön praktisch, wenn man jemanden daheim kann, der so ziemlich alles selber kann. Kaputt geht ja leider fast ständig etwas. Es ist halt nicht einfach nur radeln.
Es macht einfach den Kopf so frei. Ich komme ja nur ganz schwer zur Ruhe, da ich ziemlich hyperaktiv bin. Wenn man viel zu schnell durchs Gelände radelt, ist man aber so konzentriert, da hat kein anderer Gedanke im Kopf Platz. Dieses Gefühl ist mit nichts zu vergleichen.
Es ist für mich auch der einzige Sport, wo ich annähernd das Gefühl habe, es ist mit einer Stunde Fitnesstraining vergleichbar. Nur Unwissende sagen, was ist denn das schon, einen Berg hinunterradeln. Erst mal machen, kann ich da nur antworten.
Mal sehen, wieviele Trails uns heuer erwarten. Es gibt ja schon so viele, dass man den Überblick verliert. In Kärnten sind wir da ja ziemlich benachteiligt im Vergleich zu anderen Bundesländern. Mancherorts darf man ja für eine kleine Gebühr fast überall radeln.
Man kann es zwar schwer erkennen, aber ja, es ist ein Fahrradtattoo auf meinem Unterarm. Es erinnert mich täglich daran, dass ich alles schaffen kann. Du übrigens auch.
Achja übrigens, mein erstes Bike war ein La Pierre. Ich habe es geliebt, weil es so richtig cool war. Allerdings ein Downhillbike, und für Downhill bin ich dann doch noch etwas zu zaghaft unterwegs. Beim Bergauffahren, was mir ja eigentlich ja auch ziemlich Spaß macht, war es eine ziemliche Plage. Mein Schatz hat es dann zwar zu einem Hybrid umfunktioniert, aber ein Enduro-Bike ist halt schon etwas anderes. Deshalb ist es dann ein Ghost geworden. Anfangs hab ich mein altes Bike schon vermisst, denn das fuhr halt über Stock und Stein ohne dass man viel gespürt hat. Mein Ghosti ist da schon lebhafter, aber dafür komme ich aber auch schneller nach oben.
Oft werde ich gefragt, ob ich denn keine Angst habe mir weh zu tun. Doch, die hab ich schon. Ich fahr aber erstens nicht wie eine Irre, und weh tun, ganz ehrlich kann man sich überall. Die meisten Unfälle geschehen ja in Wahrheit zu Hause, da sitz ich lieber am Bike und radle in die Stille im Kopf.
Während ich schreibe, warte ich schon gierig auf die nächste Ausfahrt. Es ist schon wie eine Sucht geworden. Wenn wir uns frei nehmen können, und das Wetter es zulässt, zieht es uns wirklich fast jedes Mal bergab. Mittlerweile haben wir uns auch einen vernünftigen Bike-Anhänger gegönnt. Der erste war ein ziemlicher Dinosaurier. Wie überall gilt, gutes Equipment ist die halbe Miete.
Leider haben ja noch nicht alle Lifte offen, und wenn, dann gibt es natürlich Stau, weil wir ja nicht die einzigen sind, die nach oben wollen.
Auf jeden Fall will ich dir abschließend noch etwas mit auf den Weg geben. Egal wovor du dich fürchtest. Es ist nur eine Illusion. Es ist nicht real. Es ist nur in deinem Kopf. Du kannst dich jederzeit dieser Angst stellen und über dich hinauswachsen. Mach dich nicht verrückt, wenn du noch nicht dazu bereit bist. Sei dir aber bewusst, dass du jederzeit die Möglichkeit hast. Wenn du es alleine nicht schaffst, gibt es unterwegs genug Leute, die dich ein Stück begleiten, und dir den Weg weisen, weil sie ihn schon vor dir gegangen sind. Vertrau auf dich.
Ich finde es immer wieder so aufregend, was sich alles verändert, wenn sich irgendetwas verändert im Leben.
Nur weil die Angst stop sagt, heißt das nicht, dass das jetzt dein Stop fürs Leben ist, nur ein stop für den Moment.
#staystrong
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